12. Die Bhagavad Gita
Wir können ja nur einen Teil jener großen, ewigen Wahrheit erkennen, in dem Umfange und der Größe, als wir durch unsere eigene Tätigkeit, durch unser Karma, in uns zur Offenbarung gebracht haben. Leben für Leben steigert sich in unserem Entwicklungsgang dieser Umfang, wir schreiten in Wissen und Erkenntnis fort, denn unsere Bestimmung ist es, den ganzen Ideeninhalt unserer Welt, unseres Kosmos, nach und nach in uns aufzunehmen. Wir können das nie, ohne stufenweise in uns den ganzen Reichtum der Erscheinungswelt als Erfahrung zu durchleben. Die Natur lebt in uns, wenn wir sie ganz erfassen. Ruhe, Friede und Zufriedenheit mit seinem Lebenslose muß jeden überkommen, der klar erkennt, daß er in den Kreis hineingeboren ist, für den er sich durch sein vergangenes Karma selbst vorbereitet hatte und den er nun mit der ganzen Treue auszufüllen und dessen ganzen Umfang er durch seine Tätigkeit zu erschöpfen hat. Damit hat er durch eigenes Frleben ein Wissensgebiet sich errungen und arbeitet nun in seiner eigenen Linie an der Erweiterung desselben, um sich höhere und bessere Daseinsbedingungen für künftig zu schaffen. So wird er auch dem Bruder, der unter ihm auf der Stufenleiter der Wesen emporzuklimmen versucht, in liebevollem Verständnis die Hand reichen, um ihm zu helfen, denn er selbst stand ja vor kurzem noch auf derselben Sprosse und rang sich mühsam empor, die Hände ausstreckend nach den Brüdern, die ihm voraus emporgeschritten waren.