12. Die Bhagavad Gita

GA 88/1903-06-28/p009 ·1903-06-28 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Aufzeichnungen von neunzehn Vorträgen und vier privaten Lehrstunden» (Records of nineteen lectures and four private teaching hours). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

So sehen wir, wie jeder verschieden von dem anderen seine eigenen Pflichten hat, wie klar wir unterscheiden lernen müssen, um nicht uns aus unserer Bahn lenken zu lassen, um unser Gleichgewicht zu bewahren, unser Gesetz zu befolgen. Mit weiser Voraussicht hatten die hohen Führer und erleuchteten Könige das indische Volk in Kasten geteilt. So grausam das uns an Freiheit und uneingeschränkte Wahl gewöhnte Abendländer auch erscheinen mag, so liegt doch diesem strengen Zwange ein tiefer Sinn zugrunde. Die Kasteneinteilung der alten Inder entspricht ganz der natürlichen Einteilung des Menschengeschlechts. Jeder wird durch sein eigenes Karma in die ihm gemäße Kaste hineingeboren, er hat erst den ganzen Umkreis der Pflichten innerhalb derselben zu erfüllen, ehe er für eine neue Inkarnation in die nächsthöhere Kaste reif wird. Solange auf einer niederen Stufe das eigene Urteil noch unentwickelt ist, muß der Mensch Gehorsam lernen, er muß im Dienen die Tugenden der Treue und Ergebenheit erwerben, und so bildet die Kaste der Sudra die Schule für unbedingten Gehorsam und Unterordnung - diese geübten Tugenden, die erst für Selbstbezwingung, Selbstbestimmung und eine liebevolle und milde Herrschaft befähigt machen.

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