12. Die Bhagavad Gita
So sehen wir, wie jeder verschieden von dem anderen seine eigenen Pflichten hat, wie klar wir unterscheiden lernen müssen, um nicht uns aus unserer Bahn lenken zu lassen, um unser Gleichgewicht zu bewahren, unser Gesetz zu befolgen. Mit weiser Voraussicht hatten die hohen Führer und erleuchteten Könige das indische Volk in Kasten geteilt. So grausam das uns an Freiheit und uneingeschränkte Wahl gewöhnte Abendländer auch erscheinen mag, so liegt doch diesem strengen Zwange ein tiefer Sinn zugrunde. Die Kasteneinteilung der alten Inder entspricht ganz der natürlichen Einteilung des Menschengeschlechts. Jeder wird durch sein eigenes Karma in die ihm gemäße Kaste hineingeboren, er hat erst den ganzen Umkreis der Pflichten innerhalb derselben zu erfüllen, ehe er für eine neue Inkarnation in die nächsthöhere Kaste reif wird. Solange auf einer niederen Stufe das eigene Urteil noch unentwickelt ist, muß der Mensch Gehorsam lernen, er muß im Dienen die Tugenden der Treue und Ergebenheit erwerben, und so bildet die Kaste der Sudra die Schule für unbedingten Gehorsam und Unterordnung - diese geübten Tugenden, die erst für Selbstbezwingung, Selbstbestimmung und eine liebevolle und milde Herrschaft befähigt machen.