{"corpus":"steiner","locus":"GA 88/1903-06-28/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"In der zweiten Kaste, den Vaisya, wird der Mensch, Ackerbau und Viehzucht treibend, in innigsten Zusammenhang mit der umgebenden Natur treten. Er wird im Schweiße seines Angesichts den Mutterboden bearbeiten lernen, er wird säen und ernten und so die Nahrung für seine Mitbrüder erzeugen; er wird alle Tugenden eines Ackerbauers üben. Sodann wird er als Kaufmann Handel und Gewerbe treiben, Reichtümer sammeln und viele Untugenden seines Standes durchmachen müssen. Durch Selbstsucht und Geiz wird er oft erst weise Ökonomie erlernen und die richtige Verwendung seines Reichtums zum Nutzen und Frommen seiner Mitbürger. Hat er bis zur Vollkommenheit seine Lektion auf dieser Stufe erlernt, so wird er in der folgenden Inkarnation ein Kshatriya und in die Kriegerkaste hineingeboren. Hier muß er seine Kräfte zum Schutze und zur Verteidigung seines Vaterlandes einsetzen; durch Mut und Tapferkeit und Selbstverleugnung Stärke gewinnen, um jeder Gefahr gewachsen zu sein. Das kann er nur, wenn er jeden Augenblick bereit ist, sein Leben der Pflicht zum Opfer zu bringen. Der Krieger muß das physische Leben hingeben, dann erwirkt seine Seele den Geist der Selbstentäußerung und ist Schöpfer eines Ideals. Der Körper ist einzig dazu bestimmt, der Entwicklung des inneren Lebens zu helfen; er muß verschwinden, wenn die Seele einen neuen Körper braucht, das heißt ein passenderes Kleid für ihre fortgeschrittene Entwicklung. Der Krieg ist die Schule, die durchgemacht werden muß, um in jene höchste Kaste der Brahmanen zu gelangen, für die — auf ihrer Stufe der Entwicklung und Erkenntnis - Kampf und Tötung eine Todsünde ist. «Töte deinen Feind» ist dem Kshatriya geboten, er weiß aber, daß er niemals in Wahrheit einen seiner Brüder töten noch von ihm getötet werden kann, wie Krishna tröstend zu Arjuna sagt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"12. Die Bhagavad Gita","site_heading":null,"date":"1903-06-28","location":null,"word_count":280,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/88/1903-06-28/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/88/1903-06-28/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/88/1903-06-28/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Aufzeichnungen von neunzehn Vorträgen und vier privaten Lehrstunden","evidence_translation":"Records of nineteen lectures and four private teaching hours","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}