XLV. Okkulte Forschung über die Evangelien
Ich habe mein Buch betitelt «Das Christentum als mystische Tatsache». Der Titel ist nicht umsonst gewählt. Jedes Wort ist da wichtig. Es soll nicht bloß der mystische Gehalt dargelegt werden. Es hat sich vielmehr darum gehandelt zu zeigen, dass die Tatsachen des Johannes-Evangeliums zwar mystische Tatsachen sind, dass sie aber deshalb doch auch historische Tatsachen sind. Es soll nicht das Christentum als mystisch gezeigt werden, als mystische Auffassung, sondern das Christentum als eine mystisch zu erklärende, aber historisch wirkliche Tatsache. Derjenige, den der Thyrsus traf, der kann zu den Urbildern dessen, was die Bücher erzählen, geführt werden. Hier knüpfen wir mit diesem Wort an etwas an, was ich das letzte Mal in Bezug auf die historisch-kritische Evangelien-Forschung gesagt habe. Ich habe gesagt, dass die Kritik das Markus-Evangelium hat gelten lassen, dass dieses Markus-Evangelium zwar viel später geschrieben wurde, dass es, wie die Kritik sagt, nicht von Zeitgenossen geschrieben worden ist. Von ihnen habe ich gleichzeitig gesagt, dass dieser Schreiber des Markus-Evangeliums so spricht, dass er die Orte, an denen sich die Ereignisse abgespielt haben, nicht schildert, dass ihm die Ereignisse, die Lokalitäten vollständig gleichgültig zu sein scheinen. Ich habe auch gesagt, dass das, was Markus verknüpft als Tatsachen, eine Art dichterische Komposition sei, dass also auch die zeitliche Folge nicht maßgebend sein kann. Deshalb gibt die Kritik zweierlei zu: dass wir nichts entnehmen können aus der Zeitfolge und nichts aus Lokalitäten und Orten.
Cite:
GA 90a/1904-07-18/p009 · edition original