XLV. Okkulte Forschung über die Evangelien
Die Evangelien sind nämlich alle in oder mit einer gewissen Geheimsprache geschrieben. Sie sind so geschrieben, dass sie zwar für die einfältigsten Menschen verständlich sind, dass es aber keinen Grad des Verständnisses gibt — er kann noch so hoch sein —, dass er nicht immer tiefere und tiefere Wahrheiten darin finden könnte. Derjenige, der weiß, was ein profanes Wort eigentlich in der Geheimsprache bedeutet, der kann den geheimen Sinn der Evangelien enträtseln. Wer nur liest, was am Anfang von dem steht, was wir die Bergpredigt nennen, der wird finden, dass da ganz im Allgemeinen etwas gesagt wird: Er setzte sich auf einen Berg und tat seinen Mund auf und sprach zu seinen Jüngern. Er sprach nicht zu dem Volke, er ging mit den Jüngern hinweg und sprach zu ihnen. Der Eingeweihte versteht das sofort, weil er weiß, dass die Worte «auf den Berg gehen» eine gewisse Bedeutung haben. Es heißt: in das Innere eines Heiligtums gehen, wo man geheime Lehren empfängt, sodass mit diesen Zeilen nichts anderes gesagt ist als: Jesus sah, dass dem Volke etwas gelehrt werden müsse; da führte er die Jünger in einen Tempel und setzte ihnen auseinander, was dem Volke nun überliefert werden sollte. - In uralten Traditionen lernte jeder Schüler, was seit urältesten Zeiten diese Worte bedeuten. Sie können die Religionsbücher aller Zeiten durchgehen, und Sie werden die Bedeutung dieser Worte «auf den Berg gehen» immer finden. Es ist notwendig, dass man diese Sprache wirklich erkannt hat, um Okkultes zu lernen.
Cite:
GA 90a/1904-07-18/p012 · edition original