XLV. Okkulte Forschung über die Evangelien
Derjenige, der als Initiierter in diese Welt kommt - sei er wie Buddha oder noch höher, wie Jesus, der Christus -, leitet seine Herkunft nicht aus dieser Welt her. Was in ihm lebt, stammt aus einer anderen Welt. Er ist der Bote einer anderen Welt. Er ist nur seinem physisch-zeitlichen Dasein nach geboren aus dieser Welt heraus, an einem bestimmten Ort. Wer als Initiierter die Welt berritt, hat im höchsten Grade dasjenige, was man Toleranz nennt. Niemals können Sie bei einem Initiierten auch nur eine Spur von dem finden, was irgendwie Intoleranz wäre. Wenn ein Initiierter irgendwo hingeht, um eine Lehre zu verkünden, wird er im höchsten Maße das Prinzip der Toleranz üben. Er wird niemandem etwas in seinem Gefühle zu Leide tun. Der Initiierte weiß, dass die Wahrheit bei allen Völkern gelebt hat. Er weiß, dass die Wahrheit in einer gewissen Gestalt überall vorhanden ist. Er weiß, dass die Welt fortschreitet, er betrachtet sich selbst als ein Werkzeug des jenseits der physischen Wirklichkeit gelegenen Weltengeistes, der die Welt ein Stück vorwärts zu bringen hat. Er führt die Menschen nicht dadurch, dass er eine sie verletzende Lehre verbreitet, sondern er verkehrt vor allen Dingen mit denjenigen, die nach Befreiung aus alten Banden lechzen, er verkehrt nicht mit Schriftgelehrten und Sadduzäern, sondern mit denjenigen, die im Sinne dieser Schriftgelehrten Sünder sind, die aber nach etwas lechzen, das erst in der Zukunft erscheinen soll.
Cite:
GA 90a/1904-07-18/p023 · edition original