{"corpus":"steiner","locus":"GA 90a/1904-07-25/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ein Grunderlebnis des Theosophen ist die Devotion. Dass der Jünger Jesu in das Grab hineingeht, um zu sehen, ob er da ist oder nicht, ist nicht das Wichtige. Wichtig ist dabei das Getragensein von Devotion. Es gibt keinen Pfad, der nicht durchsetzt wäre von Devotion. Und je weiter man auch auf dem Erkenntnisweg vorwärtsdringt, umso mehr wird man sich auch Devotion aneignen müssen. Man wird immer devotioneller und devotioneller werden. Aus dieser Devotion fließt dann die Kraft zu den höchsten Erkenntnissen. Wer es dazu bringt, darauf zu verzichten, seine Gedanken zu verbinden, der gelangt zu dem Lesen der Schrift in der Akasha-Chronik. Eines ist aber dabei notwendig: das persönliche Ich so weit ausgeschaltet zu haben, dass es keinen Anspruch darauf macht, die Gedanken selbst zu verbinden. Es ist gar nicht so leicht, das zu verstehen, denn der Mensch macht darauf Anspruch, das Prädikat mit dem Subjekt zu verbinden. Solange er das aber tut, ist es ihm unmöglich, wirklich okkulte Geschichte zu studieren. Wenn er in Selbstlosigkeit, aber auch in Bewusstheit und Klarheit die Gedanken aufsteigen lässt, dann tritt ein Ereignis ein, welches von einem gewissen Gesichtspunkte aus jeder Okkultist kennt, nämlich das Ereignis, dass sich die Vorstellungen, die Gedanken, die er früher nach seinem persönlichen Standpunkte zu Sätzen, zu Einsichten geformt hat, jetzt durch die geistige Welt selbst formen, sodass nicht er urteilt, sondern dass in ihm geurteilt wird. Es ist dann so, dass er sich hingeopfert hat, auf dass ein höheres Selbst geistig durch seine Vorstellungen spricht. Das ist - okkult aufgefasst — das, was man im Mittelalter das Opfer des Intellektes genannt hat. Es bedeutet das Aufgeben meiner eigenen Meinung, meiner eigenen Überzeugung. Solange ich selbst meine Gedanken verbinde und meine Gedanken nicht höheren Gewalten zur Verfügung stelle, die dann gleichsam auf der Tafel des Intellektes schreiben, solange kann ich nicht okkulte Geschichte studieren. Es ist das ein Widersprechen gegenüber den höheren Gewalten, es ist das, was man gewöhnlich in unserer Zeit als etwas besonders Bemerkenswertes betrachtet. Das, was da nötig ist, bezeichnet der Theosoph als devotionelle Hingabe. Diese Hingabe fließt aus solchen Tatsachen, wie sie im Johannes-Evangelium erzählt werden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"XLVI. Evangelien und Einweihung","site_heading":null,"date":"1904-07-25","location":null,"word_count":352,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/90a/1904-07-25/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/90a/1904-07-25/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/90a/1904-07-25/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Frühe Vortragsreihen und Einzelvorträge für Mitglieder in Berlin 1903–1904 nach ausführlichen und z.T. fragmentarischen Mitschriften.","evidence_translation":"Early lecture series and single lectures for members in Berlin 1903-1904, from detailed and in part fragmentary listeners' transcripts.","evidence_source":"The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 90a); the description calls them \"Hörermitschriften\", and the served text carries the note-taker's gap marker \"[Lücke in der Mitschrift]\". The translation is the maintainer's, not a published one."}}