LXIV. Über das Hellsehen
Dieser zweite Bewusstseinszustand, der von Träumen durchzogene Schlaf, versenkt den Menschen nicht ganz ins Unbewusste. Der Mensch ist in der Lage, etwas herüberzubringen ins wache Bewusstsein. Das, was er da ins Bewusstsein herüberbringt, ist aber nicht der Inhalt der eigentlichen Erfahrung, die er während des vom Traum erfüllten Schlafes gemacht hat. Die Erfahrung ist etwas ganz anderes als das, wessen er sich hinterher bewusst wird. Es ist sozusagen nur ein Herüberbringen von einzelnen Fragmenten, von fragmentarischen Spiegelbildern. Was der Mensch in einer ganz anderen Welt erlebt während des traumerfüllten, also nicht ganz tiefen Schlafes, sind zusammenhängende, in sich geordnete Tatsachen. Und von diesen Tatsachen, die er zwar erfährt, deren er sich aber nicht bewusst wird, hat er einige Erinnerung. Er hat sie für das wache Bewusstsein ins Gedächtnis herübergebracht und erinnert sich später an das, was drüben gewesen ist. Der Inhalt wird jedoch nur spärlich und verzerrt erinnert. Dieser Inhalt lässt sich in keiner Weise vergleichen mit dem, was drüben erfahren wird.
Cite:
GA 90a/1904-10-30/p007 · edition original