LXIV. Über das Hellsehen
Der dritte Zustand ist der traumlose Schlaf. Bei den meisten Menschen kommt von den Erlebnissen, die man während des traumlosen Schlafzustandes durchmacht, sehr wenig in das wache Tagesbewusstsein herüber. Was herüberkommt, wird für gewöhnlich nicht bewusst. Das Erlebnis des traumlosen Schlafes erscheint nicht seiner Ursächlichkeit nach, sondern seiner Wirkung nach im wachen 'Tagesbewusstsein. Was da erlebt wird, das sind die großen Gesetze der Wirklichkeit, die wahren, bis zu einem gewissen Grade viel wahreren Ur-Sachen und Wesenheiten unserer Welt. Was in den äußeren physischen Daseinsformen des Tier- und Pflanzenreiches sich abspielt — das Mineralreich gehört hier nicht her, denn über das wahre Wesen desselben kann nichts im traumlosen Schlaf erfahren werden -, die Art und Weise, wie sich das Leben in diesen Reichen gestaltet, wie sich die Formen von einer zur andern entwickeln, welche großen Gesetze das Leben eigentlich hat -, das, was, wenn wir es in seiner wahren Gestalt durchdringen würden, blitzartig in dem gewöhnlichen Bewusstsein manche Zusammenhänge des Lebens, die sonst rätselhaft und dunkel sind, erleuchten würde, alles dies macht der Mensch durch, ohne in bewusster Weise etwas im wachen Tagesbewusstsein zu behalten.
Cite:
GA 90a/1904-10-30/p009 · edition original