XVII. Das Verhältnis des Okkultismus zur theosophischen Bewegung
Und so sehen Sie auch, wie im Laufe der Zeit große Unterschiede in den einander folgenden okkulten Schulen auftreten. Das Yogasystem der Inder ist etwas anderes als die Schulung der Rosenkreuzer. Die Rosenkreuzerschulung ist berechnet auf das, was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe. Außerdem tritt noch etwas anderes ein: Es musste, damit überhaupt ein solcher Fortschritt geschehen konnte, auf die Verstandeskraft eingewirkt werden. Viel mehr als früher wurde der Verstand angespannt, der dann durch die Kraft der inneren Konzentration sein Hinübergeführtwerden zum Erfassen des Übersinnlichen entwickeln kann. Es musste in der neueren Zeit also viel mehr in Begriffen gelehrt werden; es musste Gewicht gelegt werden auf die Verstandesausbildung und auf das abstrakte Vorstellungsvermögen. Vergleichen Sie einmal die Wandlungen in der Kultur von der alten indischen bis zu unserer Zeit. Im alten Indien haben Sie eine hohe Intuition und eine geringe äußere Auswirkung der Zivilisation. Jetzt, in unserer Zeit, ist es umgekehrt. Das bewirkt, dass auch die Stellung des Okkultismus allmählich eine ganz andere wird. Das bewirkt, dass vieles von dem, was früher geheim gehalten wurde, heute allgemeines Wissensgut geworden ist. Viele, viele solche Erkenntnisse und Begriffe waren früher innerhalb der okkulten Brüderschaften bewahrt worden, und es kam der Mensch an diese Dinge erst heran, wenn er sein ganzes Herz umgewandelt hatte. Heute hat der Okkultist dies nicht mehr in der Hand. Er muss vieles von dem, was man früher für spätere Stufen der Schulung aufbewahrt hatte, jetzt als schon durch die Kultur der Außenwelt offenbar geworden erkennen. Damit muss der Mysterieneingeweihte rechnen. Und so mussten viele Wahrheiten, die in den okkulten Schulen gelehrt worden sind, allmählich herausgetragen werden auf den physischen Plan.
Cite:
GA 90b/1905-10-22/p022 · edition original