XXI. Erkenntnis Der Höheren Welten II
Ich möchte heute fortfahren in der Betrachtung derjenigen Dinge, die wir vor acht Tagen anfingen. Vor nicht langer Zeit zeigte mir einer unserer theosophischen Freunde einen Brief, der auf eine Einladung dieses theosophischen Freundes hin geschrieben war von einem süddeutschen Pastor. Der Freund meinte, dass es gut sein könnte, den betreffenden Herrn zu dem Vortrag über die Weisheitslehren des Christentums einzuladen, weil er glaubte, dass der Betreffende eigentlich Theosophie predigte, und dass man eine Verbindung zwischen der Theosophie und der Auffassung des Christentums von Seiten des betreffenden Pfarrers herbeiführen könne. Interessant war die Antwort, die der Betreffende erteilte. Er lehnte es ab, an dem Abend zu kommen. Er war durch Äußerlichkeiten verhindert. Aber er sagte, er hätte sich mit der Theosophie befasst, auch versucht, einige Hefte der «Lucifer - Gnosis» zu lesen und ersehe daraus, dass die Theosophie bezweckt, gewisse alte gnostische Vorstellungen wieder zu erneuern. Er könne ja diesen ganzen Bestrebungen nicht eigentlich so recht etwas Besonderes abgewinnen, aus dem Grunde, weil er es vorziehe, ein unmittelbares Verhältnis zu seinem Gott zu gewinnen und sich nicht zu begnügen durch ein so vermitteltes, durch viele Zwischenwesen hindurchgehendes Verhältnis zu der Göttlichkeit zu kommen. Das ist eine sehr charakteristische Antwort, die ich aus dem Grunde erwähne, weil sie heute von so vielen Leuten gegeben wird. Sehr viele - und das soll nicht irgendeine Kritik an unseren Zeitgenossen sein, sondern nur eine Bemerkung -, denn die Erscheinung ist so berechtigt wie nur möglich. Sie geht ganz aus dem Zeitbewusstsein hervor. - Ich sage: Diese Antwort wird heute vielfach gegeben. Die Menschen meinen, dass man eigentlich etwas nicht recht mit dem heutigen Zeitbewusstsein und ihrem Gefühle Übereinstimmende macht, wenn man außer der sinnlichen Welt, in der wir leben, und in der die Welt durchflutenden Göttlichkeit noch eine ganz große Reihe von Zwischenwesen, sagen wir Götter oder geistige Wesenheiten zwischen drinnen noch annimmt. Seit vier Jahrhunderten ist die Menschheit erzogen worden in dieser Anschauung. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn eine solche Empfindung heute allgemein geworden ist, und man glaubt, dass die Theosophie etwas zu viel zu tun habe mit all den verschiedenen Geistern und geistigen Wesenheiten, mit einer ganzen Hierarchie von geistigen Wesenheiten zwischen den Menschen, und von denen man kein Bewusstsein, sondern nur eine Ahnung haben kann.
Cite:
GA 90b/1905-12-18/p003 · edition original