XXI. Erkenntnis Der Höheren Welten II
Die Illumination hat etwas Lichtartiges, darum heißt sie auch Illumination. Die Inspiration ist ganz frei von allen diesen bildhaften Vorstellungen. Da schwebt der Mensch in der rein geistigen Welt. Daher sagt man auch, dass seine Vorstellungen einen Inhalt bekommen, ohne dass sie zuerst Bilder zu sein brauchen. Es ist das Bildlose des Wortes, mit dem man das vergleichen kann. Daher sagt man auch, der Mensch bekommt auf dieser Stufe das innere Wort, das heißt, er ist imstande, Wahrheiten durch Eingebungen zu finden, indem die geistige Welt in sein Begreifen hineinwirkt, sodass nicht das Bild auf ihn wirkt, sondern dass der Geist direkt zu ihm spricht. Es fließt in seine Begriffe die Sprache der geistigen Welt selbst ein. Das ist Inspiration. Es ist das Gespräch mit den Wesen einer geistigen Welt. Der Mensch ist still in sich abgeschlossen, weist ab alles Visionäre, Bildhafte, hält sich ruhig und still, und die Geister sagen ihm die Wahrheit. Das ist die Stufe der Inspiration, das innere Wort. Diese Stufe der Inspiration macht es möglich, dass der Mensch überall, wo er hintritt, die Gegenstände nicht bloß sieht, sondern dass sie ihm überall etwas sagen, dass er überall heraushört, was da in einem jetzt wieder neuen Raum herumschwirrt. Diese Stufe der Erkenntnis meint Goethe, als er im Anfang des Prologs im Himmel die Worte spricht: «Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wertgesang.» Das ist keine Phrase, das ist Wirklichkeit. Er spricht da von der geistigen Sonne, die tönt. Die ganze Welt wird da eine tönende Welt, die uns bedeutsam unterrichtet über den inneren Wesenskern. In dieser Welt machen wir dann Bekanntschaft mit einer höheren Gruppe von geistigen Wesenheiten, die wir nennen die Sonnengeister oder auch die Feuergeister. Wie wir dort die Geister des Zwielichts kennengelernt haben, so lernen wir hier die Geister des Feuers kennen.
Cite:
GA 90b/1905-12-18/p028 · edition original