XXXVIII. Das Vergängliche und das Ewige
Später kam eine Zeit, in welcher die physische Welt erobert wurde [...]. Diese Eroberung der physischen Welt hat die geistige zurücktreten lassen. Jetzt tritt deshalb die Theosophie ein, um den überhandnehmenden Materialismus durch etwas Geistiges zu ersetzen. Früher haben die verschiedenen Religionen in den einzelnen Völkern je nach deren Bedürfnissen gelehrt. Heute hat der Materialismus den ganzen Erdball umsponnen; es muss also auch das Geistige den ganzen Erdball umfassen. Die Erdenmenschheit muss ein geistiges Ganzes werden. Dies ist das Ziel der Theosophie. Wie im Materiellen die Menschen sich überall verstehen, wie ein Scheck den ganzen Erdball als gängige Münze durchläuft, sollen überall Wahrheit und Weisheit gängige Münzen werden. Dass sich die Menschen allerwärts verstehen lernen und ihre Gedanken austauschen wie den Scheck gegen Münze, das ist unser Ziel - und darum die Forderung der Brüderlichkeit unter den Menschen, die erste, welche die Theosophische Gesellschaft stellt. Die letzten Jahrhunderte haben zeitliche Güter erobert. Die Kultur hat Schichten auf die Erdmasse getragen, welche von ihrem Entwicklungsgange Zeugnis ablegen. Erst in den obersten Schichten findet man Menschenreste. Millionen Jahre weiter und alles, was wir jetzt arbeiten, wird ebenso eine Schicht bilden um den Erdball und eine gleichförmige Kulturgeschichte abgeben. Für die Zukunft, in welcher nicht nur das Materielle, sondern das Ewige, Unvergängliche das ganze Weltall umfassen wird, arbeitet die Theosophie. Darum legt sie so großen Wert auf den Kern der Brüderschaft.
Cite:
GA 90b/1906-01-10/p041 · edition original