31. Leben, Offenbarung, Weisheit, Liebe

GA 91/1906-09-24/p005 ·1906-09-24 · original (original)
Record: listeners' notes. This text is a newspaper's or a listener's report of the lecture, not a transcript. The wording is the reporter's: do not quote it as Steiner's own words. Evidence: «Notes from Mathilde Scholl 1904–1906». The unit's own header line in the edition served.

Die seelische Wärme, das Hinstreben zu den anderen Wesenheiten, äußert sich als Liebe. Die ist der erste Ausdruck der errungenen Selbstständigkeit des Menschen in veredelter Form. Aus Feuer und Leidenschaft wurden im Laufe der Entwicklung Wärme und Liebe. Diese sind es auch, die den Menschen emporführen. Wie die Wärme die physische Materie so beeinflusst, dass sie dadurch sich verfeinert und ausstrahlt, so bewirkt die Liebe in der Seele auch eine Verfeinerung, durch die die Seele sich der Umgebung mitteilen kann. Wenn die Wärmeschwingungen noch erhöht werden, so verwandelte sich die Wärme in Licht, und dieses Licht besitzt noch in größerem Maße die Eigenschaft, auf die Umgebung überzustrahlen, die Umgebung ganz einzuhüllen. Es tritt so durch das Licht eine noch engere Verbindung ein mit der Umgebung. Das Licht ist eine noch stärkere Äußerung des inneren Wesens als die Wärme, es ist eine erhöhte Wärme. Würden die Wärmeschwingungen im Menschen in bestimmter Weise erhöht, so würde der Mensch nicht nur Eigenwärme, sondern Eigenlicht besitzen. Er würde selbst leuchtend werden. Wenn die Seelenwärme des Menschen, die Liebe, immer mehr emporgeführt wird, immer mehr verfeinert und veredelt wird, so führt die Liebe den Menschen zur Erkenntnis. Während er vorher sich durch Liebe dem andern Menschen mitteilte, dringt er nun mit der Kraft der Erkenntnis in sein Wesen ein. Er vereinigt sich so in höherem Maße mit den anderen Wesen als durch die Liebe.

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