1. Gut und Böse
Man muß sich dazu vorstellen, daß zunächst das Christentum sich bemüht hat, in die verschiedenen anderen Religionsformen hineinzuwachsen. Zunächst sehen wir ja nur eine kleine Judengemeinde in Palästina; diese ist auch recht klein geblieben. Ein solches Prinzip, wie es die christliche Lehre birgt, lassen sich die Volksseelen nicht leicht aufdrängen. Der Apostel Paulus fand den Weg zu den Heiden, indem er zunächst die Gedanken der Heiden so gelassen hat, wie er sie vorfand, und die heidnischen Religionsformen dann benützte, um die christliche Essenz hineinzugießen. In den südlichen Gegenden Europas wurde der Mithrasdienst gepflegt; er war ähnlich dem heutigen Meßopfer. Die Heiden dort nahmen das Christentum an, weil man ihnen das ihnen liebgewordene Mithrasfest ließ. So ähnlich war es auch bei den Germanen mit dem Fest, das als Weihnachtsfest zum christlichen Symbol wurde. Ihre geheiligten Ahnen wurden als christliche Heilige aufgenommen. Dadurch ist das Christentum in immer neue Gebiete und Völkerschaften hineingewachsen. Es war die Anpassungsfähigkeit des Christentums, die das ermöglichte. Die christliche Religion dehnte sich immer mehr aus; wegen dieser Vielgestaltigkeit brauchte sie aber auch einen mächtigen Zentralpunkt: das ist das römische Papsttum. Alle Schäden, die später durch das Christentum hervorgebracht worden sind, sind mit dieser weltgeschichtlichen Mission des Papsttums verknüpft.