1. Gut und Böse

GA 92/1904-06-24/p014 ·1904-06-24 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)» (Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)). The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one.

Wir hatten auch von den Druidenpriestern gesprochen, die das Volk durch Märchen und Mythen belehrt hatten. Sie waren zugleich Heiler, Priester, Astrologen; sie hatten inspirierte Kenntnisse. Als das keltische Element abgelöst wurde von den germanischen Stämmen, trat auch der Glaube an die alte Form der Inspiration zurück. Dem Mann wurde die Eroberung des physischen Plans anvertraut; er wurde Krieger. Die intuitive und produktive Kraft tritt uns im Weiblichen entgegen. Die Frau wurde Priesterin, die zu gleicher Zeit Heilerin war, zum Beispiel die Weleda. Alle Heilkunst war damals in den Händen der Frau; der Mann wurde hinausgedrängt auf den äußeren, physischen Plan. Auch in der Zeit der Merowinger und Karolinger treffen wir dies noch an. Erst durch die von den Mönchen bei den Mauren erlernte Wissenschaft wurde dann das spirituelle Element immer mehr verdrängt. Und vom 16. bis zum 19. Jahrhundert nahm die materielle Denkweise immer mehr zu. Die psychischen Heiler weichen; sie kommen in Mißkredit und werden als Zauberer oder Hexen verachtet. Damit hängt zusammen der Verlust der Fähigkeit, überhaupt mit psychischen Mitteln heilend zu wirken; die Heilung auf diesem Wege ist nicht mehr so wirksam. Paracelsus besaß diese Fähigkeiten noch vollkommen.

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Cite: GA 92/1904-06-24/p014 · edition original