XV. Parzival und Lohengrin

GA 92/1905-12-03/p016 ·1905-12-03 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)» (Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)). The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one.

Klar ist es uns, was Parzival auf seinen Wanderungen erreichen soll. Die Mutter Parzivals heißt Herzeleide. Wenn man den Parzival des Wolfram von Eschenbach, der ein gründlich Eingeweihter war, tief liest, zwischen den Zeilen und Worten, so findet man, daß der Name Herzeleide, der Mutter Parzivals, ein Niederschlag des tragischen Zuges ist, der in dem deutschen Gemüte lag. Derjenige, der nicht den Parzival-Weg macht, der trägt im Herzen das Leid; er hat sich den Frieden zu erringen. Wolfram von Eschenbach hat es verstanden, die Sage in eine wunderschöne Form zu kleiden. Mit der einen Tatsache hat er ein tiefinneres Symbol gemeint - die weibliche Persönlichkeit bedeutet immer das Bewußtsein -: Herzeleide ist der Bewußstseinszustand, von dem Parzival ausgeht. Er hat zunächst ein tragisches Bewußtsein. Er ringt sich durch alles durch, was die weltliche Ritterschaft bieten kann, mit einem naiven, einfältigen Bewußtsein, um zu dem Geheimnis des heiligen Gral zu kommen.

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