XV. Parzival und Lohengrin
Parzival ist der neue christliche Eingeweihte, das große Sinnbild, das die Siegfried-Einweihung ablöst. Siegfried hat die niedere Natur überwunden, den Lindwurm, die Schlange. Parzival wird der Eingeweihte des heiligen Gral, der den kennenlernt, der unverwundbar ist da, wo Siegfried noch verwundbar war. Im Parzival wird die ursprüngliche Idee des Christentums zum Ausdruck gebracht. Es kennt nicht mehr die Idee der Reinkarnation. Man betrachtet das eine Leben zwischen Geburt und Tod als das einzige. Das Wertvolle ist die eine Inkarnation. Man blickt nicht mehr hinauf nach Manas, Budhi, Atma. Die Parzival-Initiation ging nur dahin, zu dem Bewußtsein des Zusammenhanges mit Christus zu kommen, die eine Inkarnation zu betrachten, in der der Mensch durch Mitleid zum Wissen kommt und nicht durch Wissen zum Mitleid, wie es durch die Theosophie geschieht. Die Theosophie lehrt uns zu erkennen, wie wir eins mit allen Menschen sind. Durch sie weiß man, daß man selbst verantwortlich ist für das, was unser Bruder tut. Die Theosophie führt durch Wissen zum Mitleid. Aber die Menschheit mußte eine Zeitlang hindurchgehen durch eine Entwicklungsperiode, wo sie durch Mitleid zum Wissen kommen sollte. Sie mußte hinuntersteigen in die Tiefen des Mitleids, weil man auch da zum Wissen kommen kann. Das mußte so sein, damit die Menschen diese irdische Welt in ihrer ganzen Wichtigkeit kennenlernten. Das Christentum sollte die Menschheit erziehen, damit auch das Irdische in seiner Bedeutung erfaßt werde. Darum mußte der Mensch erst auf das physische Leben, in moralischer Beziehung, hingelenkt, hinuntergelenkt werden. Dann konnte er erst zu den großen Errungenschaften kommen, die mit der Städtekultur beginnen.