{"corpus":"steiner","locus":"GA 92/1907-12-02/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Heute soll uns die Art und Weise beschäftigen, wie in einem der größten Künstler der neueren Zeit ein ähnliches Element lebte wie in dem, was wir Theosophie, Geisteswissenschaft, nennen. Nicht soll jemand glauben, daß alles das, was ich über diesen bedeutenden Künstler der neueren Zeit, über Richard Wagner, zu sagen haben werde, ihm etwa auch im deutlichen, verstandesmäßigen Bewußtsein gelebt habe. Billig wäre der Einwand, der etwa erhoben werden könnte: Du erzählst allerlei Dinge in Anknüpfung an Richard Wagner, aber wir können nachweisen, daß er das niemals über sich selbst gedacht hat. - Diesen Einwand kann jeder, der Richard Wagner betrachtet wie wir heute, leicht selbst machen. Keinesfalls soll behauptet werden, daß das, was gesagt werden soll, als ausgesprochene Ideen in Richard Wagner gelebt hat. Etwas anderes ist es, ob man ein Recht hat, dies auszusprechen. Es würde zu lange dauern, wollte ich Ihnen in einer ausführlichen Darlegung dieses Recht hier ableiten. Aber ein Vergleich, ein Bild kann uns dahin führen, die Berechtigung dieser Betrachtungen nachzuweisen. Denkt nicht der Botaniker über die Pflanze nach? Sucht er nicht die Gesetze, nach denen sie wächst und lebt? Versteht er nicht dadurch das Wesen der Pflanze oder sucht es zu verstehen? Und darf irgend jemand deshalb, weil die Pflanze nicht selbst diese Gesetze in ihrem Bewußtsein hat, dem Botaniker das Recht absprechen, über sie in dieser Weise zu reden? Wer dieses Bild tiefer verfolgt, wird sehen, wie sich das, was heute gesagt werden soll, ebenso zu dem Künstler verhält. Nicht als ob hier etwa die allgemeine Phrase wiederholt werden sollte, der Künstler schaffe unbewußt. Aber die Gesetze, durch die man bei einer gewissen Weltbetrachtung den Künstler versteht, die brauchen ebensowenig von dem Bewußtsein des Künstlers ausgesprochen zu sein wie ein Pflanzengesetz von der Pflanze. Das sei vorausgesetzt, weil sonst der eben charakterisierte Einwand gemacht werden könnte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik","site_heading":null,"date":"1907-12-02","location":null,"word_count":303,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/92/1907-12-02/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)","evidence_translation":"Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)","evidence_source":"The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one."}}