Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik
Ein anderer Einwand, der in der Gegenwart sehr leicht aufkommen kann, knüpft an an das Wort «Mystik». Vor kurzem wurde einmal in einem kleinen Kreise von einem Menschen das Wort «Mystik» ausgesprochen, und ein etwas gelehrter Herr sagte: Goethe war eigentlich auch ein Mystiker, er hat es ja zugegeben, daß vieles in der Welt der menschlichen Erkenntnis dunkel und nebelhaft bleibe. - Der Mann hat damit gezeigt, daß er unter Mystik, wenn die Menschen sie betreiben, alle diejenigen Vorstellungen versteht, die etwas Nebelhaftes, Unklares, Dunkles haben. Niemals hat ein wahrer Mystiker dasjenige unter Mystik verstanden, was unklar ist und was man nur mit allgemeinen Gefühlen umfassen und ahnen könnte. Wir können es heute geradezu erleben, daß in gelehrten Kreisen gesagt wird: Bis zu diesem Punkt reicht unsere klare Erkenntnis, von da ab aber beginnt das allgemeine Gefühl, sich in die Naturgeheimnisse hineinzuversenken, da beginnt die Mystik. - Im Gegenteil: Der wahre Mystiker sieht darin das Allerklarste, das, was mit den sonnenhellsten Begriffen in die Tiefen des Daseins hineinleuchten soll. Und wenn jemand von dem Dunkel der Mystik spricht, von allerlei Ahnungen, so bedeutet das nichts anderes, als daß die Menschen sich niemals die Mühe gegeben haben, für sich das zur Klarheit zu bringen, was die Mystik klar gibt. In den ersten Jahrhunderten des Christentums nannte man das «Mathesis», nicht weil es Mathematik hätte sein sollen, sondern weil das, was die Mystik aufbaut an Ideen und Vorstellungen, so klar durchsichtig sein soll für den Menschen wie die Begriffe der Mathematik. Es muß der Mensch nur Geduld haben, sich wirklich hineinzufinden in das, was wahre Mystik ist. Nur in dieser Art sei das Wort «Mystik» mit dem Namen Richard Wagner in Zusammenhang gebracht.