{"corpus":"steiner","locus":"GA 92/1907-12-02/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was waren die Mysterien? Bei allen Völkern des Altertums gab es Mysterienstätten, die man ebensogut Tempel wie Schulen nennen kann, bei den Ägyptern, bei den Griechen und so weiter. Überall war das Mysterium die Grundlage einer späteren Kultur, und im Mysterium waren enthalten zugleich Religion, Wissenschaft und Kunst. Versetzen wir uns einmal skizzenhaft in das Wesen eines solchen Mysteriums. Was erlebte da derjenige, der nach gewissen Proben zugelassen wurde, um die Geheimnisse zu erlauschen? Er erlebte etwas, was später in der Entwicklung in getrennten Zweigen hervortrat, in Einzelheiten: Religion, Kunst und Wissenschaft, die wie drei Stämme hervortraten, waren im Mysterium in ihrer Wurzel eins. Denken Sie sich als Zuschauer und Zuhörer des Mysteriums! Nehmen wir den Fall, wie im Mysterium das Rätsel der Welt dem Menschen vorgeführt wurde. Vorgeführt wurde da, wie die geistigen Kräfte herunterstiegen, wie sie leben im Mineral, in der Pflanze, wie sie vollkommener werden im Tiere und wie sie im Menschen selbstbewußt werden. Der ganze Gang des Weltengeistes stellte sich so dar, daß die Augen das alles sehen konnten. Und das, was die Augen sahen, die Ohren hörten, in Farbe, in Licht, in Ton, das war Weisheit, Wissenschaft. In abstrakter Vorstellung wie heute nahmen diese Leute nicht das auf, was die Weltgesetze enthalten. Darstellung war es: Sie sahen es vorgehen. Die Darstellung war zugleich schön. So entstand die Kunst. Die Wahrheit wurde gegeben in der Form der Kunst. Und so war sie drinnen in der Kunst, daß das menschliche Gemüt religiös gestimmt wurde und in Anbetung niedersank.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik","site_heading":null,"date":"1907-12-02","location":null,"word_count":251,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/92/1907-12-02/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)","evidence_translation":"Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)","evidence_source":"The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one."}}