Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik

GA 92/1907-12-02/p019 ·1907-12-02 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)» (Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)). The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one.

Wenn wir sehen, wie Wagner in der symphonischen Musik sieht die Offenbarung einer unbekannten Welt, wie er sieht Urorgane der Schöpfung in den Instrumenten, dann sind wir bald dabei, wie er die Notwendigkeit fühlt, in seiner Musikdramatik mehr zu enthüllen, als was hier vom Menschen in dieser physischen Welt lebt. Das ist nur ein Teil der menschlichen Natur. Überspannend diesen Teil ist der höhere Mensch, der in jedem menschlichen Innern lebt, der weit mehr ist, als was sich äußerlich ausleben kann. Dieser höhere Mensch, der wie in umfassender Glorie den gewöhnlichen Menschen umschwebt, steht mit den Quellen des Lebens in tieferen Zusammenhängen, als es äußerlich klar werden kann. Weil Richard Wagner an die höhere Natur des Menschen anknüpfen will, kann er nicht Alltagsmenschen brauchen, er muß zu denen greifen, die im Mythos gegeben sind. Da werden die Menschen hingestellt, wie sie über sich hinauswachsen, weit größer werden wollen und sind, als der Mensch des physischen Planes sein kann und will. So hängt es wiederum mit der Mission Richard Wagners zusammen, daß er hinausgeht über den Alltagsmenschen und den Mythos auf die Bühne bringt. Im Mythos muß Richard Wagner zu gleicher Zeit - wenn auch nicht verstandesmäßig - die tieferen Weltengesetze, die Gesetze und Wesenheiten der unbekannten Welt durchleuchten lassen durch die dramatische Handlung, durch das musikalische Element. Und das tut er.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p019.json
Cite: GA 92/1907-12-02/p019 · edition original