Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik
Wovon die Naturwissenschaft auch schon etwas ahnt, davon erzählt die Geisteswissenschaft klar. In dieser alten Atlantis war eine ganz andere Atmosphäre, waren ganz andere Verhältnisse. Das, was wir heute kennen als Verteilung von Wasser und Sonnenschein in der Luft, war damals noch nicht vorhanden. Da drüben im fernen Westen war die Luft dauernd mit Wasserdampf, mit Nebelmassen erfüllt. Sonne und Mond waren nur zu sehen mit regenbogenförmigen Höfen. Ganz anders war das Leben der Seele. Die Menschen lebten so, daß sie in viel innigerem Bunde standen mit der Natur, mit Stein, Pflanze und Tier. Eingebettet waren sie in die Nebelmassen. Wahr ist das Wort: Der Geist der Gottheit schwebte, brütete über den Wassern. - Denn das, was in Nachklängen erhalten ist bei den Völkern, die die Nachkommen der Atlantier sind, war in hohem Maße der Fall bei den Atlantiern: sie verstanden alles um sich herum. Das Rieseln der Quelle war nicht unartikuliert, es war der Ausdruck der Weisheit der Natur. Weisheit hörte der Mensch aus allen Dingen seiner Umgebung, denn diese Umgebung bewirkte, daß dieser alte Vorfahre dumpfer Hellseher war. Er nahm nicht wahr, was sich im Raume ausdehnte, sondern Farbenerscheinungen. Hellseherische Kräfte hatte er. Weisheit webte in den Nebeln, und diese Weisheit nahm er mit seinen dumpfen Kräften wahr. Nur andeuten kann man das. Die Entwicklung bestand darin, daß die Nebel sich in Wasser niederschlugen, die Luft immer reiner wurde. Damit entwickelte der Mensch sich zum heutigen Bewußtseinszustande. Er wurde abgeschlossen von der äußeren Natur, er wurde ein abgeschlossenes Wesen in sich selbst. Wenn der Mensch noch im Bunde mit der Natur ist, dann ist die Weisheit eine einheitliche, dann lebt er wie in einer Weisheitssphäre; und dies begründet eine gewisse Bruderschaft, denn jeder nimmt die gleiche Weisheit wahr, jeder lebt in der Seele des anderen. Mit dem Hinabsteigen der Nebelmassen trat der Mensch hinein in das egoistische Bewußtsein, in das Ich-Bewußtsein, wo jeder Mensch in sich den eigenen Mittelpunkt fühlte, wo ein Mensch dem anderen entgegentrat und für sich seine Sphäre in Anspruch nahm. Die Bruderschaft geht über in Daseinskampf.