{"corpus":"steiner","locus":"GA 92/1907-12-02/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sagen und Mythen sind nicht das, was man am grünen Tisch als phantastische Theorien auslegt. Was sind Sagen und Mythen? Es sind die Überbleibsel alter hellseherischer Erlebnisse der Vorfahren. Das ist eine Tatsache. Unsinn ist es, wenn heute behauptet wird, irgendein Mythos bedeute einen Kampf eines Volkes mit einem anderen. Die Gelehrten sprechen von dichtender Volksphantasie; sie sollten das Volk nur kennenlernen, ob es Wolken umdichtet zu Göttergestalten. Das macht man den Leuten vor; das ist Phantastik, Träumerei. Wie Mythen entstehen, davon können sie sich heute noch überzeugen. Heute noch gibt es lebende Sagen. Zum Beispiel in verschiedenen Gegenden gibt es die Sage von der Mittagsfrau. Sie erzählt uns: Wenn irgendwelche Landleute des Mittags auf dem Felde bleiben, anstatt die Feldarbeit zu unterbrechen und nach Hause zu gehen, dann kommt die Mittagsfrau und gibt ihnen Fragen auf. Können sie sie nicht beantworten bis zu einer gewissen Stunde, dann würgt sie sie. - Wer würde da nicht das Bild eines Traumes sehen, der den Menschen draußen befällt, wenn er in der Sonnenhitze liegen bleibt. Der Traum ist der letzte Rest des damaligen Bewußtseins. Da sehen wir, wie heute noch die Sage aus dem Traum heraus entsteht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik","site_heading":null,"date":"1907-12-02","location":null,"word_count":195,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/92/1907-12-02/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)","evidence_translation":"Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)","evidence_source":"The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one."}}