Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik

GA 92/1907-12-02/p029 ·1907-12-02 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)» (Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)). The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one.

Denken wir uns nochmals in die alte Atlantis hinein: Nebeldünste, wo überall die Weisheit aus allen Dingen sprach. Da müssen Mächte walten zwischen den Menschen, die jetzt nicht mehr durch gemeinsame Weisheit lenken, sondern durch Verträge und Gebote, und die selbst die Götter durch Verträge festgelegt haben. Das stammt ab von urweisheitsvollem Bewußtsein. Da, wo der neue Gott Wotan an wichtiger Stelle steht, wo Fafner die Freia zurückgeben soll, da, wo Wotan selbst angekränkelt ist von der Ich-Weisheit, von dem Ring, da trat das uralte, heilige Bewußtsein der Menschheit nochmals vor ihn hin, das Erdenbewußtsein, das die Menschen einhüllte, als die Atlantis noch lebte. In der Erda wird uns dies damalige Bewußtsein, in das alles eingebettet war, geschildert: ihr Schlaf ist Träumen, ihr Träumen Sinnen, ihr Sinnen waltendes Wissen. - Eine kosmologische Wahrheit steckt darinnen. Diese Weisheit ist in allem, hat alles geschaffen. Sie lebt in der Quelle, rauscht in den Blättern, weht im Winde. Da findet sie das menschliche Ich darinnen. Da war sie ein allumfassendes Bewußtsein, aus dem alles Einzelbewußtsein geworden ist: waltendes Wissen. Das alte Hellsehen war ein Abbild dieses waltenden Wissens. Da war der Mensch nicht eingeschlossen in die Haut. Das Bewußtsein hat alles durchdrungen. Da konnte man nicht sagen, das Ich-Bewußtsein ist da und dort - es war in allem eingebettet. Wunderbar ist das angedeutet aus Wagners Intuition heraus:

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