Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik

GA 92/1907-12-02/p041 ·1907-12-02 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)» (Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)). The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one.

Dem Gralsschüler wurde also gesagt: Sieh dir die Pflanze an. Man kann nicht die Blüte mit dem Kopf des Menschen vergleichen; sie entspricht mit ihren männlichen und weiblichen Befruchtungsorganen der Geschlechtsseite des Menschen. Die Wurzel entspricht dem Kopfe. - Schon Darwin hat in einem Vergleich richtig darauf hingewiesen, daß die Wurzel dem Kopfe des Menschen entspricht. Der Mensch ist die umgekehrte Pflanze: Er hat die volle Wendung vollzogen. Keusch streckt die Pflanze ihren Kelch dem Lichte entgegen, aufnehmend die Strahlen, die heilige Liebeslanze, empfangend den reinen Kuß, unter dem die Frucht sich bildet. Die Wendung ist halb vollzogen beim Tier. Die Pflanze, die sich mit dem Kopf in die Erde bohrt, das Tier mit dem waagrechten Rückgrat und der Mensch mit seinem aufrechten Gang, den Blick nach oben gerichtet (es wird an die Tafel gezeichnet). Diese drei verbunden, geben das Kreuz. Sieh hin, wurde dem Schüler gesagt, wie Plato die Wahrheit kündet, wenn er sagt, daß die Weltseele ausgespannt, gekreuzigt liegt auf dem Weltenleib. - Die Weltseele, die Seele, die durch Pflanze, Tier und Mensch geht, findet sich in den Leibern, die das Kreuz darstellen. Das ist die ursprüngliche Bedeutung des Kreuzes. Alles Übrige ist Rederei.

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Cite: GA 92/1907-12-02/p041 · edition original