{"corpus":"steiner","locus":"GA 92/1907-12-02/p042","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was hat es bewirkt, daß der Mensch diese Umkehrung vollzogen hat? Wenn wir die Pflanze betrachten, so sehen wir: Für den wahren Mystiker hat die Pflanze denjenigen Bewußtseinszustand, den der schlafende Mensch hat. Wenn er schläft, hat der Mensch den Wert einer Pflanze. Der Mensch hat sein heutiges Bewußtsein dadurch errungen, daß er den reinen, keuschen Pflanzenleib durchdrungen hat mit Begierde, mit dem Leidenschaftsleib. Er ist dadurch in gewisser Weise höher gestiegen zum Selbstbewußtsein, aber erkauft hat er dies mit dem Durchdringen der reinen Pflanzensubstanz mit Begierden und Trieben. Und nun malte man vor dem Schüler einen Zukunftszustand des Menschen aus, einen Zustand, wo der Mensch sein helles Bewußtsein erhalten haben wird, aber wiederum geläutert, gereinigt zurückgekehrt sein wird zur reinen Substanz wie die Pflanze. Er hat sich dann zurückerrungen die reine, keusche Natur. Das Organ der Fortpflanzung wird umgebildet. Man stellte sich vor im Sinne des Gralsritters, daß der Mensch der Zukunft Organe haben wird, die der Fortpflanzung so dienen werden, daß sie nicht von Begierde durchdrungen sein werden, sondern rein und keusch sein werden wie der Pflanzenkelch, der sich hinwendet zu der Liebeslanze, dem Sonnenstrahl. So wird verwirklicht sein das Ideal des Grals, wo der Mensch in reiner Keuschheit, gerade wie die Pflanze, hervorbringen wird seinesgleichen, wo er wieder erzeugt sein Ebenbild in dem höheren reinen Kelch, wenn der Mensch Schaffender im Geiste sein wird. Dieses reale Ideal nannte man den heiligen Gral, die umgewandelten Reproduktionsorgane des Menschen, die so rein und keusch den Menschen hervorbringen, wie heute der Kehlkopf das Wort hervorbringt, das die Wellen der Luft bewirkt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik","site_heading":null,"date":"1907-12-02","location":null,"word_count":261,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p042","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/92/1907-12-02/p042"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/92/1907-12-02/p042","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Sechzehn Vorträge, gehalten in Berlin, Köln und Nürnberg in den Jahren 1904, 1905 und 1907 (Hörernotizen)","evidence_translation":"Sixteen lectures, given in Berlin, Cologne and Nuremberg in 1904, 1905 and 1907 (listeners' notes)","evidence_source":"The volume's subtitle as given in the publisher's description, mirrored on AnthroWiki (GA 92); the 2022 catalogue's subtitle omits it. The translation is the maintainer's, not a published one."}}