Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik
Und nun wollen wir versuchen zu zeigen, wie in Richard Wagners Gemüt dieses große Ideal nachlebte. Es war im Jahr 1857, da stand er am Karfreitag im Gartenhaus der Villa der Frau Wesendonck auf dem Balkon und sah hinaus, wie die ersten Pflanzen hervorkamen. Er hat diesen denkwürdigen Moment aufgezeichnet. Er empfand in dem Hervorsprießen der jungen Pflanzen das ganze Geheimnis des heiligen Gral, des Geborenwerdens alles dessen, was verbunden ist mit der Vorstellung vom heiligen Gral. Er empfand das im Zusammenhang mit dem Karfreitag. Wunderbare Stimmung überkam ihn. Da schoß der erste Gedanke seines «Parsifal» in ihm auf. Es ist nun viel hineingefallen in die Zeit, die darauf folgte. Aber die Empfindung ist geblieben. Aus ihr heraus formte er die Gestalt seines Parsifal, jene Gestalt, in welcher das Gefühl zum Wissen erhoben wird, wo man durch das Mitfühlen wissend, «durch Mitleid wissend» wird. Und die ganze Entwicklung, wie die menschliche Natur verwundet wird durch die unreine Lanze - das tritt uns im Amfortas-Geheimnis entgegen. Wir sehen, wie da aufleuchtet das mystische Geheimnis vom heiligen Gral.