13. Über den verlorenen und wiederzuerrichtenden Tempel im Zusammenhang mit der Kreuzesholz- oder Goldenen Legende

GA 93/1905-05-29/p041 ·1905-05-29 · original (original)
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Äußeres Gesetz ist vorhanden, wenn derjenige, der einen äußeren Bau aufrichten soll, einen Plan hat — das sind die gesetzmäßigen Zusammenhänge auf dem Papier -, und dann werden die äußeren Bausteine seinem Plane gemäß behauen und aufeinandergefügt. Auch das, was als Gesetz einem Staatenplan zugrunde liegt, ist äußeres Gesetz. Die Menschen stehen unter dem Stabe des Moses. Auch der, der aus Furcht oder aus Hoffnung auf Belohnung die Sittengesetze befolgt, befolgt nur das äußere Gesetz. Aber auch derjenige befolgt nur das äußere Gesetz, der die Wissenschaft nur in einer äußeren Weise betrachtet. Denn was hat er anderes als äußere Gesetze! Alle Gesetze, die wir in der Wissenschaft kennenlernen, sind solche äußeren Gesetze. Durch diese können wir aber nicht jenen Übergang zu der höheren Menschennatur finden, sondern nur das Gesetz des alten Bundes befolgen, das ist der Stab des Moses. Aber ein Vorbild sollte dieses äußere Gesetz sein für das innere Gesetz. Der Mensch soll lernen, dem Gesetz im Inneren zu folgen. Es muß dieses innere Gesetz der Impuls des Lebens werden beim Menschen, aus dem inneren Gesetz heraus muß er lernen, das äußere Gesetz zu befolgen. Nicht der verwirklicht das innere Gesetz, der einen Bauplan anfertigt, sondern der, der aus innerlichem Impuls heraus den Tempel baut, so daß also die Seele übergeht in die Zusammenfügung der Bausteine. Nicht der lebt in dem inneren Gesetz, der den staatlichen Gesetzen nur folgt, sondern der, dem sie Impuls seines Lebens sind, weil sie mit seiner Seele verwachsen sind. Und nicht derjenige ist ein sittlicher Mensch, der die Sittengebote aus Furcht oder wegen Belohnung befolgt, sondern der, welcher sie befolgt, weil er sie liebt.

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Cite: GA 93/1905-05-29/p041 · edition original