13. Über den verlorenen und wiederzuerrichtenden Tempel im Zusammenhang mit der Kreuzesholz- oder Goldenen Legende
«Die Sünde ist durch das Gesetz in die Welt gekommen.» Das ist ein tiefer Ausspruch des Paulus. Wann ist die Sünde in der Welt? Wenn eben ein Gesetz da ist, das übertreten werden kann. Wenn aber das Gesetz so mit der menschlichen Natur vereinigt ist, daß das, was der Mensch tut, das Gute ist, dann kann es keine Sünde geben. Nur so lange widerspricht der Mensch dem Kreuzgesetz, als es nicht in ihm lebt, solange es äußerlich ist. Daher sieht Paulus den Christus am Kreuz als die Überwindung des Gesetzes und die Überwindung der Sünde an. Ein Fluch ist es, am Holze des Kreuzes zu hangen, das heißt, dem Gesetze zu verfallen. Sünde und Gesetz gehören zusammen nach dem alten Bund, Gesetz und Liebe gehören zusammen nach dem neuen Bund. Es ist ein negatives Gesetz, welches verbunden ist mit dem alten Bund; ein positives Gesetz, das lebt, ist aber das Gesetz des neuen Bundes. Der hat das Gesetz des alten Bundes überwunden, der es mit seinem eigenen Leben vereinigt hat. Der hat es aber auch geheiligt.