XI

GA 93a/1905-10-06/p005 ·1905-10-06 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Notizen von einem esoterischen Lehrgang» (Notes from an esoteric course). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Die Gedanken der meisten Menschen sind nichts anderes als Spiegelbilder der Umgebung. In den wenigsten Fällen hat der Mensch Gedanken, die nicht mit seiner Umgebung zusammenhängen. Nur dann hat er solche höheren Gedanken, wenn ihm die Sinne erwachen für die mentale Welt, so daß er nicht nur die Gedanken denkt, sondern sie als Wesen um sich herum sieht. Dann hat er das Selbstbewußtsein der mentalen Welt, wie es der Chela, der Eingeweihte besitzt. Wenn der Mensch versucht, um sich her erst die physische Welt, dann alle Triebe, Leidenschaften, Gemütsbewegungen und so weiter verschwinden zu lassen, dann bleibt bei den meisten kein Gedanke übrig. Versuchen wir uns nur vorzustellen, was alles den Menschen beeinflußt, insofern er in Raum und Zeit lebt. Man versuche alles das sich vor die Seele zu rufen, was mit dem Orte, an dem wir leben, und mit der Zeit, in der wir leben, zusammenhängt. All das, was die Seele fortwährend an Gedanken hat, hängt ab von Raum und Zeit. Das hat alles einen vergänglichen Wert. Deshalb muß der Mensch von dem bloßen Abspiegeln des Sinnlichen dazu übergehen, einen ewigen Gedankeninhalt in sich leben zu lassen, um allmählich devachanische Sinne zu entwickeln. Ein Satz, wie der aus «Licht auf den Weg»: «Bevor das Auge sehen kann, muß es der Tränen sich entwöhnen», gilt für alle Zeiten und an allen Orten. Wenn man einen solchen Satz in sich leben läßt, dann lebt in uns etwas, das jenseits von Raum und Zeit liegt. Das ist ein Mittel, eine Kraft, die devachanischen Sinne nach und nach in der Seele erwachen zu lassen und die Sinne zu erwecken für das Ewige in der Welt.

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Cite: GA 93a/1905-10-06/p005 · edition original