XVII

GA 93a/1905-10-12/p006 ·1905-10-12 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Notizen von einem esoterischen Lehrgang» (Notes from an esoteric course). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Wenn sich unser Fuß in der feuchten Erde abdrückt, so ist der Abdruck ein Negativ, ein Gegenbild unseres Fußes. So ist es auch mit unseren Gedanken. In der höheren geistigen Welt gibt es für jeden Gedanken das Gegenbild. Bild und Gegenbild sind so ineinandergefügt wie etwa Siegel und Petschaft. Der Stoff ist die höhere geistige Wesenheit, er entspricht in unserem Bilde dem Petschaft. Nun nennt man den Gedanken, insofern er dem Petschaft entspricht, Intuition, und den Abdruck nennt man den abstrakten Gedanken. Man kann sagen, wenn man denkt: Ich fühle die Spuren dessen, was in den höheren Welten geschieht. - Im Hinblick auf diese Tatsache wird in religiösen Schriften, zum Beispiel in der Offenbarung des Johannes, der Ausdruck «Siegel» gebraucht. Er entspricht der Wirklichkeit. ‚Auch weil ein höheres Wesen in unseren Worten mitwirkt, ist jedes Wort ein Siegelabdruck. Man nennt das Gegenbild des Wortes bei den Mystikern «Imagination». So haben wir drei Stufen des Gedanklichen: das Intuitive, das Imaginative und das gewöhnliche Abstrakte. Wenn der Mensch sich weiterentwickelt, wenn der abstrakte Gedanke selbst sich entwickelt zu der Stufe, auf der die Wesenheiten inkarniert sind, die mitwirken, wenn gesprochen wird, dann ist der Mensch ein Chela, ein Geheimschüler. Meister sein, heißt: in dem Stoffe wirken, in dem die Wesenheiten inkarniert sind, die in unseren Gedanken mitwirken. — Die Imagination gibt das Bild. Deshalb haben die großen Religionslehrer in früheren Zeiten bildlich gesprochen, denn die Imagination gibt das Bild, nicht den abstrakten Gedanken. In allen Religionen wird in Bildern gesprochen. Das Bild ist für den Menschen zunächst das Untergeordnete, aber wenn der Mensch versteht, aus jedem Gedanken selbst wieder ein Bild zu machen, dann ist er auf einer höheren Stufe angelangt. Dies ist die Vorbedingung zu einer ganz neuen Art von Wahrnehmung. Tatsächlich kommt es darauf an, daß der Mensch sich dazu entwickelt, nicht mehr bloß abstrakt zu denken, sondern seine Gedanken jedesmal im Bilde zu haben.

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