XXXI
Die indische Lehre kam heraus in den Veden. «Veda» bedeutet dasselbe wie «Edda». Nur ist das in den Veden Enthaltene eine feinere Ausbildung dessen, was in gröberer Weise hier in Europa als Edda zurückgeblieben ist, und erst am Ende des Mittelalters Aufzeichnung gefunden hat. Wir müssen uns vorstellen, daß diese ursprüngliche große geistige Lehre durch die nachrückenden Völkerschaften eine gewisse Veränderung erfahren hat. Ihre ursprüngliche Größe bestand in der Erfassung der gewaltigen, göttlichen Einheit, die durch die indischen Schauer erkannt wurde. Das war nicht mehr der Fall bei der nächsten, der persischen Rasse. Ein anderer Zug dieser uralten indischen Anschauung ist der, daß der Zeitbegriff in ihr fast vollständig fehlt. In der zweiten Unterrasse, der urpersischen, tritt gleich der Zeitbegriff hervor. Die Zeit wird von dem Inder zwar erkannt, aber mehr gleichförmig; der Begriff der Geschichte, des Fortschreitens vom Unvollkommenen zum Vollkommenen aber fehlt. Beherrscht war das Denken von der Anschauung, daß alles aus der göttlichen Vollkommenheit emaniert wird.
Cite:
GA 93a/1905-11-05/p008 · edition original