XXXI
Anders war es in der zweiten Unterrasse. Da, bei den uralten persischen Völkern wurde das Gute in den Weltprozeß gelegt, an das Ziel gestellt. Es wurde gesagt: Das Gute muß erkämpft werden. Die Welt ist gut und böse - Ormuzd und Ahriman -, und was das Böse überwindet, das ist Zervan Akarana, die Zeit. - So kommt Gutes und Böses als Entwickelungsprinzip in die frühpersische Weltanschauung hinein. Die Zarathustra-Lehre fußt auf dieser Stellung des Bösen in der Welt, und auf dem Zeitbegriff: Der Mensch ist in das Leben hineingestellt, um das Böse zu überwinden. — Diese Anschauung hängt damit zusammen, daß die zweite Unterrasse keine weltabgewandte war, sondern eine arbeitende. Tätig, wirksam in verschiedenen Zweigen der menschlichen Betätigung, den Blick auf die äußere Welt gerichtet, darauf bedacht, wie man aus der Welt heraus selbst das Gute schaffen könne, so war die zweite Unterrasse. Daher treten bei den Persern eine Fülle von Gottheiten auf; nicht Eigenschaften des einen Gottes, sondern eine Fülle von Gottheiten, weil die Welt, wenn man sie nicht als Illusion, sondern als Wirklichkeit betrachtet, eine Fülle, eine Mannigfaltigkeit bietet. Es waren mehr oder weniger persönlich-geistige Gottheiten, die man dort verehrte.
Cite:
GA 93a/1905-11-05/p010 · edition original