Zweiter Vortrag
Vergleichen wir zu diesem Zweck den Kulturmenschen mit dem Wilden. Der Wilde folgt zuerst hemmungslos seinen Trieben, Begierden und Leidenschaften, jedem Gelüste. Er kann aber dann beginnen an seinem Selbst mitzuarbeiten. Zu gewissen Trieben sagt er: bleibe; zu anderen: hebe dich von hinnen. So hört etwa der Menschenfresser auf mit seiner Gewohnheit, seinesgleichen zu fressen; er verläßt damit eine gewisse Kulturstufe und wird ein anderer. Oder er lernt logisch handeln, lernt zum Beispiel pflügen. Dadurch wird sein Astralleib immer mehr gegliedert. Früher bestimmten äußere Mächte den Menschen, jetzttuteer es selbst. Der Astralleib eines Hottentotten kreist in wilden dunkelroten Wirbeln, bei einem Menschen wie Schiller in hellen grünen und gelben, bei Franz von Assisi in wundervollem Blau. So wird an dem Astralleib gearbeitet. Das nun, was ganz bewußt in den Astralleib vom Ich hineingearbeitet wird, nennt man Geistselbst oder Manas. Mit dem bewußten Hineinarbeiten des Ich beginnt etwas ganz Eigenartiges. Vorher jedoch, ehe man zur Bildung dieses Manas kommt, bleibt im Astralleib jener Teil, den auch das Tier hat, ganz unverändert. 'Irotz Zunahme an Verstand kann der Astralleib im wesentlichen unverändert, etwa voll tierischer Begierden bleiben. Es gibt aber Einflüsse, die den Empfindungsleib sehr wohl umwandeln: bewußte Religiosität und Kunst. Aus diesen saugen wir Kraft zur Selbstüberwindung und Veredlung, das ist eine viel stärkere Macht als bloße Moral. So viel hat der Mensch von Manas oder Geistselbst, als er in seinen Astralleib hineingearbeitet hat. Dieses ist nicht etwas Äußerliches, es ist ein Umwandlungsprodukt dessen, was früher Empfindungsseele war.