Dritter Vortrag

GA 94/1906-10-31/p019 ·1906-10-31 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Zusammenfassungen und Notizen von Vorträgen u. Vortragsreihen» (Summaries and notes of lectures and lecture cycles). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Die Sagen bewahren uns in getreuer Weise die Konflikte auf, die durch das Brechen der Blutsbande entstanden. Das Blut solcher in Nahehe lebender Volksgemeinschaften wurde beeinflußt durch die unteren Partien des Nervensystems. Dadurch war dem Menschen das Hellsehen und das intuitive Unterscheiden von Gut und Böse gegeben; er hatte einen sicheren moralischen Instinkt. Mit dem Augenblick, wo der Mensch aus der Nahehe heraustritt, tritt für ihn die Unmöglichkeit ein, sich von innen heraus, aus dem Sympathikus heraus, in das Hellsehen zu vertiefen. Mit der Fernehe hört die instinktive Führung auf und das äußere Gesetz beginnt. Der ursprüngliche moralische Instinkt verschwand mit der Fernehe; das äußere Gesetz mußte eintreten. Aus der Nacht des alten Instinktes heraus dämmerte ein moralisches Sternenlicht. Dann kam die mosaische Gesetzesreligion als Hüter der Moral. Diese wird endlich abgelöst durch ein neues Licht, das Christus-Licht, die spirituelle Führung.

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