Vierter Vortrag

GA 94/1906-11-02/p041 ·1906-11-02 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Zusammenfassungen und Notizen von Vorträgen u. Vortragsreihen» (Summaries and notes of lectures and lecture cycles). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Manche werden denken, eine solche Auslegung werde in das Evangelium hineinspintisiert. Viele, und meistens heutige Theologen, meinen, die Bibel müsse «schlicht» ausgelegt werden, womit eigentlich bequem gemeint ist. Das Evangelium ist aber nicht in der heute üblichen Weise und für Menschen geschrieben, die gewohnt sind, ein Buch höchstens einmal zu lesen und dann wieder aus der Hand zu legen. Das Evangelium ist für eine Zeit geschrieben, wo der Inhalt ein Lebensbuch darstellte, das wieder und immer wieder gelesen wird. So muß es gelesen und aufgenommen werden, denn erst dann wird man erkennen lernen, daß in jeder dieser hohen Wahrheiten immer eine noch höhere, und in jeder Erkenntnis eine noch tiefere Erkenntnis enthalten ist, und daß selbst der Weiseste in der Erkenntnis der religiösen Urkunden und in ihrem vollen Verständnis niemals auslernt. Früher trat man an diese Schriften so heran, daß man einen Satz lernte; danach hat man ihn oft und oftin der Seeleleben lassen, und wenn man dann das Glück, die seltene Gelegenheit hatte, einem Eingeweihten zu begegnen, so ließ man ihn sich noch von diesem erklären. Denn religiöse Urkunden, und ganz besonders das Johannes-Evangelium, sind geschrieben aus der Tiefe der Weisheit heraus, und können daher nicht tief genug erfaßt werden. Die Weisheit ist aber nicht da für die Bequemen. Die Weisheit ist da für diejenigen, die da suchen und forschen.

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