Vierzehnter Vortrag
Man darf sich nicht vorstellen, daß diese Rosenkreuzer-Schulung den beiden anderen widerspricht. Sie besteht ungefähr seit dem 14. Jahrhundert, und zwar mußte sie damals eingeführt werden, weil die Menschheit noch eine andere Form der Schulung brauchte. In den Kreisen der Eingeweihten sah man voraus, daß Menschen kommen würden, die durch das sich allmählich entwickelnde Wissen im Glauben beirrt werden würden. Deshalb mußte eine Form geschaffen werden für diejenigen, die in den Zwiespalt von Glauben und Wissen geraten. Im Mittelalter waren die größten Gelehrten auch zugleich die gläubigsten und frömmsten Menschen; aber auch noch lange Zeit später war für die in der Naturwissenschaft Fortgeschrittenen durchaus kein Widerspruch denkbar zwischen Glauben und Wissen. Man sagt, durch das Kopernikanische System sei der Glaube erschüttert worden, aber durchaus unberechtigterweise, hatte doch Kopernikus sein Buch dem Papst gewidmet! Erst in der allerletzten Zeit ist dieser Zwiespalt nach und nach gekommen. Das sahen die Meister der Weisheit voraus, und daher mußte für diejenigen, die durch die Wissenschaft vom Glauben abgebracht worden waren, ein neuer Weg gefunden werden. Für diejenigen Menschen, die sich viel mit der Wissenschaft befassen, ist es nötig, diesen Rosenkreuzer-Weg zu gehen, um ein Eingeweihter zu werden, denn die Rosenkreuzer-Methode zeigt, daß das höchste Wissen des Weltlichen mit dem höchsten Wissen der übersinnlichen geistigen Wahrheiten durchaus zusammen bestehen kann; und gerade durch die Rosenkreuzer-Methode kann derjenige, der sonst durch eine scheinbare Wissenschaft vom christlichen Glauben abgefallen wäre, diesen erst recht erkennen. Jeder kann durch diese Methode die Wahrheit des Christentums erst recht und mit tieferem Verständnis verstehen. Die Wahrheit ist eine einzige, doch kann man zu ihr auf verschiedenen Wegen gelangen, geradeso wie die verschiedenen Wege am Fuße des Berges auseinandergehen, am Gipfel jedoch alle zusammenlaufen.