Vierzehnter Vortrag

GA 95/1906-09-04/p066 ·1906-09-04 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Vierzehn Vorträge und zwei Fragenbeantwortungen (Hörernotizen)» (Fourteen lectures and two question-answerings (listeners' notes)). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Schopenhauer sagt, der vernunftlose Wille erbaue die Welt. Ihn müsse drum die Vernunft vernichten, damit die Welt zugrunde gehe. Dadurch werde der Mensch erlöst. Schelling, Hegel und Fichte vertreten eine andere Richtung, die sich ausdrücken läßt in den Worten: «Von Gott - zu Gott!» Betrachten wir die Lebensverneinung und Lebensbejahung in einem Gleichnis: Ich zeige jemandem ein Stück magnetisches Eisen und sage ihm, daß in dem Eisen eine unsichtbare Kraft steckt, die Magnetismus heißt. Er antwortet: Ich will nichts von dieser Kraft wissen, ich bejahe das Eisen. - Ganz ähnlich so macht es der, welcher gegenüber den Dingen in der Welt sagt, er bejahe die Welt. Gewiß, er bejaht die Welt, aber er verneint die unsichtbaren Kräfte darin. Nur der bejaht in Wahrheit das Leben, der die geistigen Wesenheiten sucht. Das halbe Leben verneint der andere. Manche Theosophen sagen: Ich kümmere mich nicht um die Welt, ich will nur mein höheres Selbst entwickeln. — In Wahrheit suchen diese nur den niederen Menschen. Der höhere Mensch ist überall draußen. Wenn ich die ganze Welt in mir fühle, dann habe ich mich, mein höheres Selbst gefunden. Mein Selbst ist außer mir. Welt-Erkenntnis ist Selbst-Erkenntnis!

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