Die geistige Erkenntnis als höchstes Befreiungswesen

GA 96/1906-10-08/p004 ·1906-10-08 · original (original)
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Vor acht Tagen betrachteten wir die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, insofern sie dem gegenwärtigen Menschen einleuchtend sein kann. Zunächst geht dieser Mensch natürlich von seiner sinnlichen Beobachtung und vom Verstand aus, oder auch von der modernen Wissenschaft, der ebenfalls sinnliche Beobachtung und Verstand zugrunde liegen. Wir zeigten, wie die Geisteswissenschaft in der Lage ist, allen Einwänden zu begegnen, die unsere Vernunft aus dem wissenschaftlichen Gewissen der Gegenwart heraus etwa aufwerfen könnte. Ziel und Zweck dieser Betrachtung sollte nicht mißverstanden werden. Sie wurde nicht deshalb angestellt, damit wir hinausgehen und uns in Diskussionen mit denen einlassen, die sich noch nicht mit der Geisteswissenschaft befaßt haben. Darum kann es sich nicht handeln. Wer noch kein Verhältnis zur Geisteswissenschaft besitzt und auch nicht den Willen dazu hat, es zu gewinnen, wird zuerst zu lernen haben, sich damit zu beschäftigen. Also es geht nicht darum, daß wir in einer Diskussion Argumente parat haben sollen, sondern darum, daß jeder in sich selbst, in seiner eigenen Seele diejenigen Einwände machen kann, die ihm aus der populären Wissenschaft der Gegenwart und aus dem sonstigen modernen Leben aufstoßen können. Er soll vor allem eine gewisse Sicherheit in sich selbst gewinnen. Das war Ziel und Zweck unserer vorigen Betrachtungen.

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