Die geistige Erkenntnis als höchstes Befreiungswesen
Woher kommen die großen Impulse des Gedankens, des geistigen Schaffens? Da berühren wir nun das Gebiet, durch das uns klar werden kann, wie die okkulten Bruderschaften in den verflossenen Jahrhunderten und Jahrtausenden wirkten. Nehmen wir ein Beispiel. Der materialistische Denker von heute würde allerdings auf dieses Beispiel nicht kommen. Ein feuriger, enthusiastischer Jüngling des 18. Jahrhunderts, mit einer Anlage zum Großen, brauchte nur einen Anstoß durch ein Ereignis, das wie ein Zufall, wie etwas höchst Unbedeutendes aussieht. Er begegnet wie zufällig einer anscheinend gleichgültigen Persönlichkeit. Diese spricht zu dem Jüngling Worte, die scheinbar auf ihn keinen besonderen Eindruck machen. Ich sage: scheinbar, denn es geht doch in der Seele dieses enthusiastischen Jünglings etwas vor. Die Begegnung, in deren Verlauf diese scheinbar unbedeutenden Worte gesprochen wurden, hatte doch eine Bedeutung. Was ist da eigentlich geschehen? In ein unbedeutendes Ereignis, das scheinbar vom Zufall beherrscht ist, hüllt sich etwas von höchster kultureller Bedeutung. Diejenigen Brüder, welche die eigentlichen höchsten Hüter des Weisheitsschatzes der Menschheit sind, befinden sich in dieser Welt. Sie gehen vielleicht unter uns herum, wir können ihnen begegnen. Aber für die gewöhnliche Menschheit tragen sie eine Tarnkappe. Sache der anderen ist es, sie zu erkennen. Sie selber geben sich nie zu erkennen. In den verflossenen Jahrhunderten war es noch schwerer, sie zu erkennen, als heute. Darauf kam es auch nicht an, daß man sie erkannte. Was aber das Wesentliche war, das war ihr Wirken. Denken Sie sich eine solche Bruderschaft von verborgenen Eingeweihten. Einer dieser Brüder tritt wie durch einen Zufall an den Jüngling heran. Aber solche Zufälle werden durch die Weisheit der Welt herbeigeführt. Durch einige unbedeutende Worte wird etwas in dem Jüngling entzündet, was kulturell das denkbar Wichtigste ist. Dieser Jüngling heißt Jean-Jacques Rousseau. In einem scheinbar zufälligen Ereignis wurde so der Keim dazu gelegt, daß es einen Rousseauismus geben konnte und daß durch ihn starke Impulse in das Kulturleben einflossen. Die Impulse, die von den Schriften Rousseaus ausgingen, sind nichts Zufälliges, auch nicht etwas, was sich der Betrachtungsart der äußeren Kulturhistorie erschließt, sondern sie sind das leise Fortgehen des Stromes der Weisheit, wie sie in der Bruderschaft bewahrt wird. In der Bruderschaft wird beschlossen, was der Menschheit frommt. Die Brüder sind Weise, sie sind Propheten. Sie wissen, was für die Menschheit erforderlich ist. So senden sie, wenn es notwendig ist, einen der ihren hinaus in die Welt, um der Entwickelung einen neuen Einschlag zu geben.