{"corpus":"steiner","locus":"GA 96/1906-10-08/p012","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Noch besser werden Sie verstehen, worum es sich hier handelt, wenn wir ein anderes Beispiel nehmen, das Sie noch tiefer in die Geheimnisse der Bruderschaften hineinführen kann. Man denke sich: Ein unbekannter Mensch — unbekannt in der äußeren Welt, wohlbekannt den Eingeweihten - schreibt einen Brief an einen hochvermögenden Geheimen Rat oder an den Minister. Der Brief behandelt vielleicht eine ganz gleichgültige Angelegenheit, vielleicht die Bewilligung einer unwichtigen Nebensache. Wenn diesen Brief nun ein Eingeweihter lesen würde — es sind absolute Tatsachen, die ich hier erzähle -, der ihn ganz anders zu lesen verstände als ein gewöhnlicher Mensch, so würde dieser noch etwas ganz Besonderes daran erkennen. Es kann nämlich sein, daß man in einem solchen Brief beispielsweise jedes dritte Wort vom Anfang oder jedes vierte Wort vom Schluß weglassen muß. Dann bleiben gewisse Worte übrig, die einen sehr bedeutungsvollen Sinn darstellen, etwas, was auf den ganzen Willen dessen einwirkt, an den der Brief gerichtet ist. Dieser hat vielleicht nur gelesen, daß er etwas Unrat wegschaffen lassen sollte. In Wahrheit aber steht in dem Briefe etwas äußerst Wichtiges. Nun können Sie sagen: Das hat der Mann aber doch nicht gelesen. - Das ist aber nicht richtig. Das äußere Ich-Bewußtsein hat es nicht gelesen, aber darin liegt eben das Geheimnis eines solchen Schlüssels, daß die richtigen Worte, die noch übrigbleiben, sich in den Ätherleib, in das Unterbewußtsein einprägen, so daß der Betreffende es tatsächlich doch aufgenommen hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die geistige Erkenntnis als höchstes Befreiungswesen","site_heading":null,"date":"1906-10-08","location":null,"word_count":236,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/96/1906-10-08/p012","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/96/1906-10-08/p012"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/96/1906-10-08/p012","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}