Die geistige Erkenntnis als höchstes Befreiungswesen

GA 96/1906-10-08/p015 ·1906-10-08 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

An diesen Beispielen können Sie sehen, wie durch die Jahrtausende hindurch von okkulten Bruderschaften in der Welt gewirkt wurde, zum Heile der Menschheit. Das war richtig für die Vergangenheit, aber es ist nicht mehr richtig für die Zukunft. Diejenigen Eingeweihten, die den Sinn und die Bedeutung der Entwickelung verstehen, werden deshalb sagen: Nicht das, was in der Vergangenheit geschehen ist, ist auch in der Zukunft richtig. — Es wäre eine schlechte Inspiration, welche jederzeit nur in der Vergangenheit die Wahrheit suchte und sie nicht im lebendigen Sein erleben würde, wodurch sich diese Wahrheit immer wieder für die Zukunft umgestaltet. Ein wahrhaft Inspirierter geht nicht bloß zu den ältesten Lehrern der Menschheit in die Schule, sondern gestaltet die Wahrheiten, die er empfängt, für jede Epoche lebendig um. Was sich bei jedem in der Seele regen muß als Einwand gegen diese alte Form des okkulten Wirkens, ist der Begriff der Freiheit, der Begriff ihres Wertes und der Würde des Menschen. Die Menschen sind ja unfrei, wenn in der geschilderten Weise auf sie gewirkt wird. Die Freiheit ist aber, wie öfters gezeigt worden ist, nicht etwas, was fertig ist, sondern etwas, was der Mensch im lebendigen Entwickelungsgang immer mehr ertingt. Freiheit ist das Ziel der Menschheitsentwickelung und nicht etwas, was der Menschheit in die Wiege gelegt worden ist. Und die Freiheit beruht auf Erkenntnis. Kein anderes Mittel gibt es, wodurch die alten Wirkungen, die von den Bruderschaften ausgegangen sind, überwunden werden können, als die Verbreitung des okkulten Wissens selbst. Das liegt der theosophischen Bewegung zugrunde: den Menschen dadurch frei zu machen, daß er die spirituellen Wahrheiten lernt, welche früher den okkulten Bruderschaften vorbehalten waren. Nichts wußte damals die Welt, und kaum weiß sie heute etwas von dem, was über den physischen Plan hinausgeht. Erst wenn sie die Dinge lernt, die über den physischen Plan hinausgehen, wird sie imstande sein, die geheimnisvollen Wirkungen und Kräfte, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk spielen, wirklich selbst zu beherrschen. Das ist die Aufgabe der Zukunft und damit eigentlich auch die Aufgabe der theosophischen Bewegung.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/96/1906-10-08/p015.json
Cite: GA 96/1906-10-08/p015 · edition original