Die geistige Erkenntnis als höchstes Befreiungswesen

GA 96/1906-10-08/p020 ·1906-10-08 · original (original)
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Jetzt können wir auch an einen Gedanken anknüpfen, den wir das letzte Mal ausgesprochen haben. Ich sprach zu Ihnen von der Schrift. Wir schreiben irgend etwas auf, sagen wir das Wort «Geist». Wer nicht einen Begriff vom Geist hat, wird dieses Wort sicher nicht aufschreiben. Aber es könnte ein anderer kommen, der keinen Begriff vom Geiste hat, der überhaupt nicht lesen kann, und könnte beschreiben: Da ist eine krumme Linie, die abwärts geht, dann wieder eine krumme Linie aufwärts, dann wieder abwärts und so weiter. Kein Mensch könnte darauf kommen, daß das «Geist» heißt, denn wer so beschreibt, der kann nicht lesen. Aber so beschreibt heute die Wissenschaft die Tatsachen. Damit dieses Wort da hingeschrieben werden konnte, war ein Sinn notwendig, der sich in dem, was hier steht, ausgegossen hat. Der Schreiber kann weggehen, ein anderer kann kommen und aus dem, was materiell hier steht, erkennen, was der Schreiber ursprünglich gemeint hat. So ist es auch mit dem ursprünglichen Geist gegenüber unserer physischen Welt. Diese physische Welt ist eine Schrift, nichts anderes als eine Schrift. Die gewöhnliche Alltagswissenschaft beschreibt die einzelnen Dinge der Welt so, wie ich es gezeigt habe. Der Okkultist weiß aber, daß diese einzelnen Dinge, abgesehen davon, daß man sie äußerlich beschreiben kann, noch etwas bedeuten; daß man sie lesen kann, weil sie die Schriftzeichen des Geistes sind. Wenn man diese Welt so als Schriftzeichen des Geistes betrachtet, wenn man alles Äußere — Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen - als Schriftzeichen des Geistes anschaut, dann kommt man durch das Lesen der physischen Welt von selbst in die geistige Welt hinein.

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