{"corpus":"steiner","locus":"GA 96/1906-10-08/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"In erster Linie geht es bei dem großen Prozeß der Befreiung der Menschheit also darum, eine sinnvolle Lehre von der Bedeutung der physischen Erscheinungen zu bekommen. Durch dieses Tor wird man in die geistige Welt hineingeführt. Es ist gewiß eine entsagungsvolle Arbeit, aber der Mensch muß sie auf sich nehmen. Wenn er sie wirklich auf sich nimmt, wenn er auf diesem Wege allmählich zum Geistigen aufsteigt und die Dinge von der geistigen Welt aus zu erfassen lernt, dann wird er ein Mitarbeiter an den großen Kulturaufgaben. Das kann er nur als freier Mensch werden. In dem Augenblick, wo man auf einer anderen Basis als derjenigen der Freiheit die Kultur der Zukunft aufbauen wollte, würde man nichts anderes schaffen als totgeborene Produkte, indem man die Vorstellungen der Vergangenheit in die Zukunft hineinträgt. Das wird der große Unterschied gegen früher sein, daß nicht Grundsätze und nicht Institutionen wirken, sondern Menschen. Zwar haben in der Vergangenheit wirklich auch nur Menschen gewirkt. Aber diese waren nur ein kleiner Kreis, und ihre Grundsätze gingen auf die Allgemeinheit über. Manche lobten diese Grundsätze und meinten, sie wären etwas Ursprüngliches. Da redeten dann die Leute von etwas, was sie von Prinzipien ableiteten. Es waraber nichts anderes als der von den Eingeweihten herrührende Impuls. Solche Impulse wurden dann fortgesponnen; das konnte lange dauern. Nehmen wir als Beispiel eine alte Einweihung, die des Heraklit. Er faßte die von ihm gefundenen Wahrheiten in äußere Formeln, die von unzähligen Leuten fortgesponnen wurden. Sie glaubten, sie dächten ursprünglich; das war aber nicht der Fall. Ursprünglich lernt man nur denken, wenn man hinter die Dinge schaut und ihre reale Bedeutung begreifen kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die geistige Erkenntnis als höchstes Befreiungswesen","site_heading":null,"date":"1906-10-08","location":null,"word_count":269,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/96/1906-10-08/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/96/1906-10-08/p024"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/96/1906-10-08/p024","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}