Die Technik des Karma

GA 96/1906-10-22/p007 ·1906-10-22 · original (original)
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Es ist zunächst schwierig, sich im gewöhnlichen Bewußtsein vorzustellen, wie ein so langer Zeitraum in einem einzigen Augenblick von der Seele überschaut werden kann. Aber noch ein anderes Moment ist wesentlich. In der physischen Welt ist jedes Erlebnis für den Menschen mit Schmerzen und Freuden, mit Lust und Unlust verknüpft. Und wenn der Mensch sich im gewöhnlichen physischen Leben erinnert, was er erlebt hat, dann tauchen Lust und Unlust in der Erinnerung wieder auf. Nach dem Tode sind aber Schmerz und Leid ausgelöscht. Es sind objektive Bilder, die uns nicht wehe tun, Bilder, die keine persönlichen Empfindungen in uns hervorrufen. Ein solches Erinnerungstableau kann auch sonst im Leben einmal ausnahmsweise auftreten, zum Beispiel bei Leuten, die dem Ertrinken nahe sind oder sich sonst in einer Lebensgefahr befinden. Man führt für solche Dinge am besten solche Zeugen an, die gar nichts wissen wollen von einer eigentlichen geistigen Forschung, zum Beispiel das Zeugnis des Wiener Kriminalanthropologen Benedikt. Der erzählt in seinen Lebenserinnerungen, daß er einmal bei einer Bergpartie dem Tode nahe war und daß in diesem Augenblick sein ganzes Leben durch seine Seele zog. Diese Erscheinung kommt davon her, daß mit dem Ätherleib etwas Bestimmtes vorgeht, wenn der Mensch einen gewaltigen Lebensschock bekommt.

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Cite: GA 96/1906-10-22/p007 · edition original