Die Technik des Karma

GA 96/1906-10-22/p016 ·1906-10-22 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wenn man verstehen will, was der Mensch im Devachan tut, dann muß man sich zunächst vor Augen halten, wie das Leben hier auf der Erde abläuft. Die Art und Weise, wie die Erlebnisse hier auf der Erde verarbeitet werden, ist so beschaffen, daß nur der allergeringste Teil aus diesen Erlebnissen herausgezogen wird; aus jedem Geschehnis könnte man viel mehr herausziehen. Das wird am klarsten, wenn wir uns die Sache umgekehrt betrachten. Man erinnere sich zum Beispiel, wie man schreiben gelernt hat. Das war mit den verschiedensten Erlebnissen verbunden. Diese Erlebnisse drängen sich alle zu einem einzigen zusammen, der Fähigkeit des Schreibens. Was sich zuerst äußerlich in der Welt abgespielt hat, verwandelt sich in eine Fähigkeit. In allen Erlebnissen ist eine solche Möglichkeit, eine solche Gelegenheit beschlossen: sie können sich später in Fähigkeiten verwandeln. Nach dem Tode geschieht eine solche Umwandlung. Wenn der Mensch wieder geboren wird, erscheint dann vieles als Fähigkeit, als Anlage. Er kehrt mit immer reicheren Anlagen wieder. Das ist im Devachan die Grundempfindung: daß sich alle Erlebnisse in Fähigkeiten verwandeln. Das gibt das Gefühl der Seligkeit. Ein Strom von Seligkeit durchzieht dann den Menschen. Man kann diese Empfindung mit der vergleichen, die ein Huhn seelisch durchströmt, wenn es ein Ei ausbrütet. Jedes Hervorbringen empfindet ein Wesen als Seligkeit. Je höher die Produktion ist, desto höher ist die Seligkeit, die empfunden wird. Dieses Devachangefühl ist keine Illusion. Die Beziehungen, die sich in dieser Welt angesponnen haben, sind im Devachan viel intensiver als hier. Die Schranken von Raum und Zeit fallen weg. Man kann in dieser Welt tatsächlich im anderen Menschen aufgehen. Das Verhältnis der Mutter zum Kinde arbeitet sich aus dem animalischen Gefühl heraus zum moralischen Verhältnis. Alles, was animalisch ist, fällt in der Kamalokazeit wie Schuppen ab, und alles Geistige durchdringt die beiden Wesen im Devachan. Alle hier angesponnenen Verhältnisse sind in größerer Intensität im Devachan verwandelt. Wenn der Mensch im Devachan alles entwickelt hat, was notwendig ist, dann ist er reif zu einer neuen Geburt.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/96/1906-10-22/p016.json
Cite: GA 96/1906-10-22/p016 · edition original