Das Vaterunser: Eine esoterische Betrachtung

GA 96/1907-01-28_02/p033 ·1907-01-28 · original (original)
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Ich habe schon öfter vor Ihnen die Entwickelung des Lebens- oder Ätherleibes und des Astralleibes mit dem Stunden- und dem Minutenzeiger einer Uhr verglichen. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn ihr euch erinnert an das, was ihr gewußt und erlebt habt als achtjähriges Kind, und an das, was ihr jetzt wisset und erlebt habt, ein großer Unterschied wahrzunehmen sein wird. Unendlich viel habt ihr gelernt, viele Vorstellungen aufgenommen; von dem, was ihr damals tatet, ist vieles in den Erlebnissen von Freude und Leid an eurer Seele vorübergezogen; nicht nur an ihr vorübergezogen, sondern durch sie hindurchgegangen. Aber vergleicht ihr jetzt das damit, was euer Temperament, euer Charakter, eure bleibenden Neigungen sind, dann werdet ihr darauf kommen, daß, wenn ihr mit acht Jahren ein jähzorniges Kind wart, ihr es wahrscheinlich im jetzigen Lebensalter noch sein werdet. Die meisten Menschen behalten so ihr ganzes Leben lang das, was als Grundlage ihres Wesens in ihnen liegt. Es ist hier schon öfter betont worden, daß die Geheimschulung nicht in theoretischem Lernen besteht, sondern darin, daß man auf die sonst so stationären Gebilde des Ätherleibes die Evolution richtet. Mehr hat der Schüler getan, wenn er eine von diesen Eigenschaften seines Temperaments, seiner Grundneigung umgeändert und dadurch den Stundenzeiger der Uhr etwas schneller vorwärtsgerückt hat, als es sonst geschehen wäre. Alles dasjenige, was sich so langsam entwikkelt — die bleibenden Neigungen, die bleibenden Temperamentseigenschaften, die bleibenden Gewohnheiten -—, ist im Äther- oder Lebensleib verankert. Alles das, was sich vergleichsweise so rasch ändert wie der Minutenzeiger der Uhr, ist im Astralleib verankert.

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