Das Vaterunser: Eine esoterische Betrachtung
Ein Vergleich dessen, was in der Seele des Menschen lebt, mit dem, was in der Natur sich abspielt, wird dies klarer machen. Betrachtet eine Pflanze: sie entzückt euch und ihr braucht nichts zu wissen von den großen, universellen Gesetzen, die sie hervorgebracht haben. Die Pflanze ist da, und ihr könnt euch an ihr erheben. Sie könnte nicht geschaffen sein, wenn nicht die urewigen Gesetze in sie ausgeflossen wären. Das naive Gemüt braucht diese Gesetze nicht zu verstehen. Soll aber die Pflanze geschaffen sein, so muß sie aus den Gesetzen hervorgehen. Soll das Gebet ein wirksames Gebet sein, dann darf es nicht beliebig erfunden, sondern muß aus den urewigen Gesetzen der Weisheit hervorgegangen sein, wie die Pflanze aus den urewigen Gesetzen der Weisheit hervorgegangen ist. Kein Gebet hat wirkliche Bedeutung für Verständige und Unverständige, wenn es nicht aus der Urweisheit hervorgegangen ist.
Cite:
GA 96/1907-01-28_02/p054 · edition original