Das Vaterunser
Um sich ein wenig tiefer auf die Frage einzulassen, wie die großen Grundweisheiten ursprünglich in die Religionsbekenntnisse hineinkamen, muß man zunächst von einer Grundfrage ausgehen. Man muß sich klarmachen, daß das, was wir heute wissen können, was uns heute durch die geisteswissenschaftliche Anschauung gelehrt wird, nicht in derselben Weise schon in den urältesten Zeiten in den Religionsanschauungen vorgetragen worden ist. Man muß sich klar darüber sein, daß die Form, wie solche Wahrheiten an die Menschen herangetragen wurden, je nach den Zeiten ganz verschieden war. Die alten religiösen Urkunden, die Sie aufschlagen, sprechen zu den Menschen in Bildern und nicht in Begriffen. Diese Bilder, die sich vielfach an die sinnliche Vorstellung anlehnen, sind von den religiösen Urkunden nach Möglichkeit beibehalten worden. So wird zum Beispiel die Erkenntnis immer als ein Licht, die Weisheit als eine Art flüssiges Element, als Wasser angesprochen. Immer wieder können Sie, wenn Sie genau zusehen, in den ältesten Zeiten dieselben Bilder finden. Das hat einen ganz bestimmten Grund, und wir werden heute einiges von dem, was wir schon kennen, zusammenfassen, um uns so recht hineinzuversenken, wie die allerersten Lehrer der Menschheit auf die Völker gewirkt haben, denen sie die Wohltat religiöser Lehren gebracht haben. Wenn wir uns klarmachen wollen, wie die Religionsstifter vor denen, die wir als die großen Eingeweihten bezeichnen, also vor einem Hermes, Zarathustra, Buddha, Moses, vor endlich dem größten, dem Christus Jesus, gewirkt haben, müssen wir uns noch einmal in den Unterschied versenken, der zwischen dem gewöhnlichen und dem astralen oder imaginativen Bewußtsein des Menschen besteht.